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Die polnischen Kinderbuchillustrationen haben heute Weltniveau, aber die begabtesten Künstler der jüngeren Generation haben im Ausland mehr Erfolg als in Polen. 

Daniel Mizieliński beklagt sich, wenn ihn jemand „Illustrator” nennt. Gemeinsam mit seiner Gattin Aleksandra hat er mit dem Buch „D.O.M.E.K“ (H.A.U.S.), das den Kleinen die Arbeit der größten Architekten näher bringt, auf den Literaturmarkt für Kinder einen Hit gelandet. Ihre eigenen Bücher stellen sie gänzlich selbst her: Sie machen die Texte, die Illustrationen, die Schrift, das Layout. In diesem Jahr wurde ihnen gemeinsam mit zwei polnischen Autorinnen – Iwona Chmielewska und Gabriela Cichowska – der Oscar der Welt der Kinderliteratur verliehen, der Bologna Ragazzi Award. Von 12 möglichen Auszeichnungen haben die Polen drei bekommen, den größten aber (den Hauptpreis in der Kategorie Nonfiction) hat ein Buch erhalten, das nicht in Polen erschienen ist: A House of the Mind: Maum, verfasst von Kim Hee-Kyung und illustriert von Iwona Chmielewska.

„Es zeigt das Gehirn des Menschen als ein Haus“, sagt die Illustratorin von Maum. „Es gibt darin Fenster, vor dem einen regnet es immer, in ein anderes scheint immer die Sonne – manche sind immer geschlossen, manche angeklappt, andere stehen sperrangelweit offen. Es gibt verschiedene Zimmer, eine Küche, und sogar eine Toilette, in der wir schlechte Gedanken herunterspülen können.“

Die Thorner Künstlerin arbeitet hauptsächlich für den koreanischen Markt und hat bereits gut ein Dutzend Titel vorzuweisen. In Polen hat sie gerade einmal ihr zweites Buch Blumkas Tagebuch veröffentlicht. Wie kann das sein? Bilderbücher für Kinder sind bei uns – obwohl sie auf der Baby-Boom-Welle immer beliebter werden – noch immer eine Marktnische. Wenn ihre Autoren davon leben wollen, müssen sie sich auf dem internationalen Markt bewegen. Manche von ihnen, wie beispielsweise Daniel und Aleksander Mizieliński, Iwona Chmielewska, Renata Liwska und Marta Ignerska, haben damit Erfolg. Der polnische Markt ist für sie aber allzu eng. Wo liegt das Problem?

In erster Linie in den fehlenden Wurzeln. Im traditionellen illustrierten Kinderbuch, das in der Volksrepublik Polen von Meistern wie Wilkoń, Stanny und Szancer gemacht wurde, spielt das Bild im Verhältnis zum Text eine untergeordnete Rolle. Es ist für gewöhnlich Beigabe und ergänzt die Gedanken des Schriftstellers. Im Bilderbuch, das es auf dem polnischen Markt derzeit schwer hat, ist das Verhältnis anders. Bild und Text funktionieren nach den gleichen Rechten, treten miteinander in Dialog, erschaffen eine weniger eindeutige Botschaft. In solchen Publikationen wird die Geschichte auch mithilfe des Bildes übermittelt, und wir finden oft mehr Bedeutungen auf der grafischen Ebene, weil der Text reduziert ist. Aber in Polen wird das Erzählen mittels Bildern (was auch gut am Beispiel von Comics zu sehen ist) nicht immer positiv wahrgenommen. „Ich habe einmal den Entwurf für Oma strickt einer geschätzten Direktorin eines staatlichen Museums gezeigt“, erzählt Marta Ignerska. „Sie hat ihn folgendermaßen kommentiert: ‚Ist das nicht seltsam, dass sie auf einer Seite mehr Illustrationen haben als Text? Wofür zahle ich eigentlich, wenn ich dieses Buch kaufe? Das liest man doch ganz schnell durch und dann braucht man es nicht mehr.’ Dabei ist keines meiner Projekte so reich an Bedeutungen wie Oma“, fügt die Künstlerin hinzu. Iwona Chmielewska hat auch nicht allzu gute Erfahrungen gemacht bei zahlreichen Kontakten mit diversen Kunstgalerien. Sie findet, dass die Kuratoren der Meinung sind, Illustrationen für Kinder wären ihrer Aufmerksamkeit nicht wert. Daniel Mizieliński hingegen sieht das Problem der geringen Popularität von Bilderbüchern im Vertriebssystem, im Mangel an Interesse der Medien und in fehlender professioneller Kritik für diese Gattung.

Über das erste Argument lässt sich tatsächlich kaum diskutieren. Anspruchsvolle illustrierte Bücher werden meistenteils von kleinen, unabhängigen Verlagen herausgegeben, unter anderem von Wytwórnia, Dwie Siostry, Tatarak, Ezop, Hokus-Pokus und Czerwony Konik, deren Titel nicht allzu oft in den Empik-Läden [eine der größten Buchladenkette Polens, Anm. d. Red.] zu finden sind. Eher in künstlerischen Buchhandlungen, Galerien, Kulturcafés und Internetbuchhandlungen. Sie kosten zwischen 20 und 40 Złoty. Der Markt hat sich nicht wesentlich vergrößert, obwohl in den letzten Jahren auch größere Verlage begonnen haben, solche Publikationen herauszugeben. Zweifelsohne haben auf künstlerische Literatur für die Kleinen hauptsächlich Großstadteltern und ihre Sprösslinge Zugriff. Bei dem Argument zur Kritik würde ich ein bisschen protestieren und mich auf das Fachmagazin Ryms (das bei Empik erhältlich ist) berufen, aber Mizieliński lässt sich nicht unterkriegen.

Ryms oder die paar Internetseiten, die Kinderbüchern gewidmet sind, werden von Menschen gelesen, die man vom Bilderbuch nicht mehr zu überzeugen braucht“, sagt er. „In den Mainstreammedien ist die professionelle Kritik für Kinderliteratur mit inhaltlichem Wissen im Bereich Kunst bis auf wenige Ausnahmen eine Seltenheit. Meistens sind die Autorinnen der Texte Mütter, die darüber schreiben, dass ein Buch schön gemacht ist und sich nicht so leicht abnutzt. Sie beschreiben die Handlung, die Illustrationen bewerten sie nicht.“ Besonders kuriose Rezensionen seiner Bücher hebt sich Mizieliński auf.

Ganz anders im Ausland

Renata Liwska braucht sich um den polnischen Markt keine Gedanken zu machen, weil sie hier keine einzige ihrer Arbeiten veröffentlicht hat. Sie stammt aus Warschau, ist aber 1990 nach Calgary gezogen. Über die Rezeption ihrer Titel in den Medien klagt sie nicht, aber dabei handelt es sich um kanadische und amerikanische Medien. Die polnischen schweigen bisher, obwohl ihr Quiet Book, das sie mit der Schriftstellerin Deborah Underwood gemacht hat und dessen Konzept darin besteht, verschiedene Arten von Stille darzustellen, von Publishers Weekly empfohlen wurde, und obwohl die Publikation zu den besten Kinderbüchern im Jahr 2010 gehört, obwohl es Buch des Monats bei Amazon.com war (ähnlich wie das im April dieses Jahres veröffentlichte Buch Loud Book), und obwohl die New York Times mit Lob nicht gespart hat. Wir können es auf Japanisch, Italienisch, Hebräisch oder Koreanisch lesen, aber eine polnische Übersetzung ist nicht in Sicht.

In Kanada ist – so Liwska – haben Kinderbuchautoren einen guten Stand und gute Illustratoren werden geschätzt. In Südkorea spielt das Bilderbuch eine besondere Rolle in der Kultur, es erscheinen jährlich mehrere Tausend Titel – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.

„Diese Bücher beinhalten die wichtigsten Dinge, über die mit Kindern gesprochen werden muss, um sie auf ein bewusstes Leben in einer demokratischen Gesellschaft vorzubereiten. Das wird bei uns nicht geschätzt“, kommentiert Iwona Chmielewska. „Und bei uns traut man einem Künstler, der für Kinder arbeitet, diese Macht nicht zu. Man erwartet eher von ihm, dass er begeistert, unterhält, im Rahmen der Schullehrpläne Wissen vermittelt oder im höchsten Fall mit avantgardistischen Formen schockiert.“ Einer von Chmielewskas Titeln lautet Halb leer, halb voll und erzählt vom Relativismus. Der kleine Leser erfährt, dass die Frage, ob jemand reich ist, von der Betrachtungsweise abhängt. Die Autorin vermeidet einfache Moral, und stellt die Probleme nicht mithilfe von Tiergestalten dar, was in Polen die beliebteste Lösung ist. In Korea nicht unbedingt.

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