O tym mówi się w Niemczech | Opinie | Prasa niemiecka | Kartka z kalendarza | Książki | Who's who? |
![]() | ![]() | ![]() | ![]() | ![]() | ![]() |
Der Kniefall | Adam Krzemiński
Der in Warschau kniende Willy Brandt ist eine der bewegendsten politischen Ikonen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa. Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erwies der deutscher Kanzler den Opfern des NS-Völkermords die Ehre und erkannte Polens Westgrenze an. Doch sowohl das Photo von Brandt vor dem Denkmal der Helden des Ghettos als auch seine Unterschrift unter dem Vertrag vom 7. Dezember 1970 sind im polnischen Bewusstsein verblasst. In Volkspolen achtete die Zensur darauf, dass das Photo in den Medien nicht zu sehr exponiert wurde. Zudem wurde Brandt durch den Groll der „Solidarność“ auf den Sozialdemokraten, der sich 1985 nicht um ein Treffen mit Lech Wałęsa bemühte, in den Schatten gedrängt. Zu Unrecht.
Die im Sommer 1945 an der Oder und Lausitzer Neiße gezogene Grenze war über Jahrzehnte die schwierigste Grenze in Europa. Durchgesetzt hatte sie in Potsdam Stalin auf Drängen der polnischen Delegation mit Bierut und Mikołajczyk. Truman und Churchill dagegen rümpften die Nase, das sei zu viel. Und die endgültige Regelung behielten sie einem künftigen Friedensvertrag vor. Die Deutschen wurden – anders als in Versailles 1919 – nicht nach ihrer Zustimmung gefragt, weshalb sich selbst in der sowjetischen Besatzungszone auch Hoffnungen hielten, es handele sich nur um ein Provisorium. Noch 1948 lehnte es der kommunistische Dichter und spätere Kulturminister der DDR, Johannes R. Becher, ab, zu einem Kulturkongress nach Wrocław zu reisen: Nach Breslau würde er fahren, meinte er unwirsch, nicht aber nach Wrocław. Dennoch erkannte die DDR unter dem festen Druck Stalins diese Grenze am 6. Juli 1950 an.
Die westlichen Alliierten – die 1949 die Gründung der Bundesrepublik Deutschland förderten – übten dagegen keinerlei Druck auf „ihre“ Deutschen in der Frage der Grenze zu ihrem ehemaligen Verbündeten aus, den sie in Jalta unter Stalins Kuratel gestellt hatten. Im Gegenteil, sie machten den Deutschen – wie 1946 der amerikanische Außenminister James F. Byrnes – Hoffnungen, sie sei lediglich eine vorläufige Demarkationslinie. Ab wann der erste westdeutsche Kanzler Konrad Adenauer nicht mehr an eine Revision dieser Grenze glaubte, weiß man nicht, aber seine Wähler täuschte er darüber bis zum Schluss.
Der Kalte Krieg spaltete Europa, und die Unsicherheit um die polnische Westgrenze war für beide Hegemonen ein bequemes Unterpfand. Für Moskau, weil sie Polen zu sowjetischer Protektion verurteilte. Und für den Westen, weil sie in Deutschland ein Ventil für die antikommunistischen und antipolnischen Emotionen schuf. Die polnische Gesellschaft zahlte die Zeche einer doppelten Demütigung: von Seiten der Deutschen, die den Krieg verloren hatten, aber die Anerkennung seiner Folgen verweigerten, und von Seiten der ehemaligen Verbündeten, die Polen vom sowjetischen Spiel mit der deutschen Karte - über die polnischen Köpfe hinweg - abhängig machten.
Das führte Stalin 1952 vor, als er eine Wiedervereinigung Deutschlands um den Preis der Neutralisierung vorschlug. Das demonstrierte Chruschtschow 1955, als er diplomatische Beziehungen zu Bonn aufnahm und Tausende deutscher Kriegsgefangener freiließ, ohne eine Anerkennung der polnischen Grenze durch Adenauer zu erreichen. Deren unsicherer Status ermöglichte es, die polnische Führung an der Kandare zu halten. Und so begann die DDR-Presse während des Polnischen Oktober´56 von der Notwendigkeit einer „Internationalisierung“ Stettins zu schreiben.
Wegen des Grenzkomplexes verzögerte sich die Öffnung der polnischen Gesellschaft gegenüber dem westlichen Nachbarn. Doch er verringerte auch die Kluft zwischen Regierten und Regierenden, und das nicht nur während der pompösen 550-Jahr-Feier von Grunwald/Tannenberg. Davon mussten sich die polnischen Bischöfe 1965 überzeugen, als ihre „Bitte um Vergebung“ auch bei vielen Katholiken Empörung auslöste.
Artykuły powiązane
Galerie







Komentarz